Wie allgemein bekannt, bin ich ein bahnbegeisterter Mensch. Dies ist auch bitter nötig, damit man, wenn man täglich 240 Kilometer Schiene zurücklegt, in der Hoffnung, sicher und vor allem pünktlich anzukommen, nicht total durchdreht.
Montag: Es ist 7:11 Uhr. Auf dem Stuttgarter Hauptbahnhof ertönt eine nette Bandansage "Meine Damen und Herren an Gleis 11, bitte steigen Sie ein. Vorsicht an den Türen und bei der Abfahrt des Zuges!" Das, was daraufhin passiert, ist aber besonders an diesem Montagmorgen äußerst unspektakulär: nämlich nichts. Es dauert ca. 6 Minuten bis unser Zug sehr gemächlich aus dem Bahnhof ausfährt um ca. 40 Minuten später mit eben diesen 6 Minuten Verspätung in Bruchsal einzutreffen. Leider genau eine Minute zu spät für den Anschlußzug der S-Bahn Rhein-Neckar, die grundsätzlich nicht auf andere Züge wartet.
Resultat: 30 Minuten später als geplant in der Firma.
Dienstag: Wegen akuten Kopfschmerzen und dem Wunsch, noch ein bißchen zu schlafen, entschließe ich mich, den 9 Uhr Zug zu nehmen. Dieser fährt pünktlich ab und liegt sehr gut im Zeitplan. Bis kurz vor Bruchsal, da wird der Zug plötzlich langsamer und kommt, folgerichtig, zum Stillstand. Ein technischer Fehler an der Lok (hingen da nicht zwei Loks am Zug?) sei die Ursache, es würde gerade alles in Menschenmacht liegende versucht, den Kasten wieder fit zu bekommen.
Scheint auch zu gelingen, nach ca. zehn Minuten geht es weiter, allerdings so langsam, daß ich den Zug mit dem Fahrrad hätte überholen können.
Resultat: eine verpaßte S-Bahn, 30 Minuten zu spät in der Firma.
Mittwoch: Eine Mitreisende erzählte mir am nächsten Tag, daß der Zug kurz vor Karlsruhe eine Gedenkpause eingelegt hat, und deshalb ca. 10 Minuten zu spät ankam. Mir soll das aber egal sein, ich bin bereits in Bruchsal ausgestiegen, deshalb das Ergebnis: Anschlußzug erreicht, pünktlich in der Firma angekommen.
Donnerstag: Um 7:11 Uhr schließen sich die Türen des IC 2566 und wieder passiert nichts. Nach sieben Minuten des Wartens werden die Reisenden informiert, daß die Lok einen Schaden hat, eine neue Lok angekuppelt werden muß und erst noch eine Bremsprobe durchzuführen sei. Das ganze dauerte weitere sieben Minuten, so daß der Zug mit 14 Minuten Verspätung abfährt und mit nicht weniger als 14 Minuten verspätet in Bruchsal ankommt.
Ergebnis heute: eine verpaßte S-Bahn, 30 Minuten zu spät in der Firma aber zumindest noch Zeit für ein Brötchen.
Freitag: Während ich am Morgen doch glatt noch gedacht hätte, daß die Bahn heute ihren Betrieb im Griff hat, so durfte ich am Nachmittag, wartend auf die S-Bahn Richtung Bruchsal, Zeuge einer Durchsage über Oberleitungsschäden und damit verbundenen Verspätungen von bis zu 20 Minuten werden. Zu dumm, daß ich zum Anschlußzug in Bruchsal nur ganze 5 Minuten Zeit habe. Dieser ist also nicht mehr zu erreichen und nur der Oberleitungsstörung ist es zu verdanken, daß der Regionalexpress in Richtung Stuttgart NACH meiner S-Bahn in Bruchsal eintrifft.
Ergebnis: eine Fahrt in einer für den Fahrgast auf Langstrecken eigentlich nicht zumutbaren Weißblechdose, die auch als
ET 425 bekannt ist, und 51 Minuten später als geplant in Stuttgart angekommen.
Insgesamt hat mir die Bahn in dieser Woche also 2 Stunden und 21 Minuten meiner Zeit gestohlen. Naja, ab Dezember wird alles besser, dann werden schließlich mal wieder die Preise erhöht und dann stehen der Bahn endlich mal die finanziellen Mittel zur Verfügung, sowohl Fuhrpark und Streckeneinrichtungen in einem funktionstüchtigen Zustand vorzuhalten und die Leute so auszubilden, daß sie die Fahrgäste bei Verzögerungen auch informieren.
Oder ist dieser Gedanke vielleicht etwas zu optimistisch von mir?
Naja, ich kann Deine Frustration verstehen. Ich vermute jedoch, dass aufgrund der Energie- und Treibstoffpreise dennoch kein realer Gewinn bei der Bahn übrig bleibt. Bleibt zu hoffen, dass die folgende Erhöhung länger auf sich warten läßt...