Tja, einmal schon Donnerstag Feierabend machen, dachte ich mir. Mußte leider noch bis 17:00 Uhr arbeiten und dann los. In Eschborn Süd an der S-Bahn ging die Verspätung schon los. Die S-Bahn, die mich zum Hauptbahnhof bringen sollte, hatte bereits mehr als 10 Minuten Verspätung. Normalerweise hätte ich meinen ICE 70 von Stuttgart nach Hamburg so schon nicht mehr erreicht, denn der fährt normalerweise um 17:58 ab Frankfurt. Kurz vor dem Hauptbahnhof machte der S-Bahn Zugführer noch die amüsante Durchsage, dass die S-Bahn im Gebiet Rhein-Main nur mit maximal 100 km/h fahren darf. Ich wette, mehr kann die sowieso nicht zwischen Eschborn und Frankfurt fahren.
Ich erreichte den HBF mit knapp 10 minütiger Verspätung und wie erwartet hatte unser Sturmtief schon dafür gesorgt, dass ich den gewünschten ICE noch erreichen konnte. Mit etwas über 10 Minuten Verspätung ging es gegen 18:15 in Frankfurt los. Kaum losgefahren, machte der Zugführer die Passagiere darauf aufmerksam, dass bis Fulda nur mit 50 km/h gefahren werden darf. Das war ja schonmal keine Verbesserung, wie man sich das wünscht. Kurz noch für die Firma gearbeitet, mich ins Firmen-Netz eingewählt (UMTS regelt

) und da sah ich schon die Katastrophen-Meldungen im Netz.
Bahnverkehr eingestellt lauteten die Nachrichten in den News-Portalen. Da dämmerte es mir, dass heute eine lange Nacht werden könnte. Kurze Zeit später machte uns der Zugführer auch die passende Durchsage.
QUOTE:
Meine Damen und Herren bitte beachten Sie, aufgrund der Wetterlage müssen wir in Fulda den Zug anhalten. Wir werden Fulda um 20:00 Uhr erreichen.
Aus 20:00 Uhr wurde dann so 20:40 Uhr. Man bot uns freundlicherweise auch an, den bereitgestellten IC nach Frankfurt am Gleis 3 kostenlos zu nutzen. Natürlich stand an Gleis 3 kein Zug bereit. Macht nichts, eigentlich wollte ich ja auch nicht nach Frankfurt zurück. Also schnell nach einer Übernachtungsmöglichkeit gesucht.
Bereits im ersten Hotel, dem Iblis wurde meine Hoffnung zerstört, eine riesige Schlange stand an der Rezeption und kurz darauf erfuhren wir, dass in Fulda sämtliche Hotels in einem größeren Umkreis bereits belegt sind. Kurz nach 21:00 Uhr erreichte ich frustriert wieder den Hauptbahnhof. Am Gleis 6 steht immernoch der ICE 70 nach Hamburg-Altona. Kurz mal vorbeigeschaut, da heißt es, er fährt gleich los, bis Kassel gibt es eine Freigabe. Also steige ich wieder ein, vielleicht gibt es ja in Kassel noch ein paar Übernachtungsmöglichkeiten. Der Zug war erstaunlich leer.
Eigentlich sollte der Zug kurz darauf los fahren, aber er blieb noch stehen. Kurze Zeit später kam auch die Durchsage:
QUOTE:
Meine Damen und Herren bitte beachten Sie, leider ist noch keine Zugführer da. Wir müssen Sie noch um einen Augenblick Geduld bitten.
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Ja der steckte bestimmt in Frankfurt am Bahnhof fest, oder so...
Na ja, jetzt ist es 21:30 Uhr und wir sind endlich los gefahren...
Gegen 21:55 kommt die Durchsage, dass im Bordbistro die Vorräte zur Neige gingen. Aber da war auch so ein Andrang, dass man dort wahrscheinlich sowieso eine halbe Stunde anstehen muß, eh man etwas bestellen kann.
22:17 Uhr, das Bordbistro wird geschlossen, da die Vorräte zu Ende sind.
22:50 Uhr. Es pfeift und wackelt teilweise ganz schön. Es geht wohl weiter nur im Schneckentempo von 50km/h. Laut der Aussage einer Zugbegleiterin ist unser Zug auch einer der wenigen, die überhaupt noch soweit nördlich fahren.
23:10 Uhr. Wir stehen, 2 Minuten später gehts aber schon wieder weiter.
ca: 23:20 Uhr erwartete Ankunft in Kassel. Dort soll das Rote Kreuz bereit stehen und uns etwas Essen bereit stellen. Wie es von dort weiter geht, bleibt weiter unklar. Erstmal werden wir weiter stehen bleiben.
23:25 Uhr. Wir sind in Kassel.
23:50 Uhr. Der Bahnbetrieb ab Kassel ist für 2 Stunden eingestellt. Das Rote Kreuz stellt Essen bereit. Ich werde wohl im Zug übernachten. So machen es auch die meisten Mitreisenden in meinem Abteil.
06:30 Uhr. Ich stehe immernoch in Kassel. Die ersten Züge fahren schon wieder durch den Bahnhof. Wann die Strecke nach Norden wieder befahrbar ist, bleibt unklar. In den vergangenen Stunden habe ich nur wenig geschlafen. Seit Mitternacht sind Helfer vom DRK im Zug und verteilen Suppe, Tee, Kaffee. Mein Dank geht an die vielen freiwilligen Helfer, die die ganze Nacht auf den Beinen sind, aber auch an das Zugpersonal, die eine unbeabsichtigte Nachschicht einschieben mußten.
07:11 Uhr. Ich bin umgestiegen in den Nachbarzug, der sollte eigentlich schon um 6:40 Uhr nach Berlin losfahren, stand aber die ganze Zeit still. Dann fuhr er ganz langsam los, leider in die falsche Richtung. Nach ca: 100 Metern bemerkte er den Fehler und kam dann wieder zum Stillstand. Ich erwarte die Ankunft in Göttingen so ca: 7:35 Uhr. Mal sehen ob das klappt. Ab Göttingen dann weiter mit dem Auto nach Thale. Hoffentlich sind die Autobahnen wieder befahrbar.
09:35 Uhr. Endlich zuhause in Thale. Der Zug war kurz vor 8 in Göttingen. Von dort mit dem Auto nach Thale ging schneller als erwartet, denn auf der Autobahn und der weiteren Strecke war erfreulich wenig Verkehr und das Wetter hatte sich schon wieder beruhigt. An einigen Stellen sah man noch die Auswirkungen des Sturms in Form von umgefallenen Bäumen, aber die Aufräumdienste haben auch schon schwer daran gearbeitet, die Schäden zu beheben.
Zusammenfassend kann man sagen, es war eine aufregende Zugfahrt. Verspätung: geschätzte 12 Stunden.