Mein Vertrauen in Linux steht in letzter Zeit auf ziemlich wackeligen Beinen.
Es fing alles damit an, daß ich auf meinem Laptop (ein IBM ThinkPad T21 mit PIII 800MHz, Intel BX Chipset und 384MB RAM) mit Ubuntu Dapper einige male den Befehl 'aptitude dist-upgrade' eintippte. Mein Vorhaben war, den Laptop mal auf Intrepid Ibex zu bringen.
Auf Dapper Drake hatte ich immer das Problem, daß mein Kernel eine recht hohe CPU Last erzeugte. Damit ging einher, daß der Lüfter überhaupt keine Ruhe mehr geben wollte und das ThinkPad sich langsam in meine Oberschenkel einbrannte. Ein Suspend-To-Disk wollte auch nie so recht und als ich dann auch noch eine Datei bekam, die OpenOffice 3.0 erforderte, dachte ich, mach ich eben den Upgrade auf die neueste Version.
Und damit ging das Drama los: unzählige Paketkonflikte während des Upgrades, die ich manuell mit dpkg auflösen mußte. Nach etlicher Zeit dann sehe ich den noch bunteren Login Screen vom KDM, der mit Intrepid Ibex kommt. Anmelden kann ich mich nicht, da aufgrund der neuen Xorg Version die Eingabegeräte nicht mehr per xorg.conf eingebunden werden, sondern über den HAL, der bei mir aus unerfindlichen Gründen nichts anderes macht, als mit SIGSEGVs um sich zu werfen. Somit gibt es auch keinen Wechsel auf die Konsole. Treiber für meine WLAN-Karte (rt61) funktionieren auch nicht mehr, weil während des Upgrades die Firmware-Files gelöscht wurden. Aufgrund des bei meinem ThinkPad immer auftretenden Bugs im Savage-Grafikchip mit aktiviertem DRI kann ich die Kiste auch nicht mehr herunterfahren, sondern muß ihn wirklich ganz hart ausschalten (Akku und Netzteil raus).
Als das nach zwei Stunden alles irgendwie gemeistert wurde, kam der Moment, daß KDE 4 startete. Und damit dann das Ende: das ThinkPad war nur noch am swappen, und unbrauchbar langsam. Suspend-To-Disk wollte wieder nicht, ein Wechsel in den Sleep-Modus ließ den Laptop neu starten, mein Drucker ließ sich nicht mehr zur Mitarbeit überreden, kurz, die Mühle war hinüber.
Also gut, Ende mit Ubuntu, nehmen wir eine Lightweight Distribution: ArchLinux. Die Einrichtung hat zwar auch etwas länger gedauert aber dafür habe ich jetzt einen wirklich schlanken Desktop, der mein ThinkPad nicht überlastet und im Moment auch zufriedenstellend für mich läuft.
Fast zumindest, den Suspend-To-Disk will immer noch nicht (ThinkPad schaltet sich nicht selbständig ab, Kernel schmeißt beim Wiederaufwachen mehrere OOPSes raus), Sleep-Modus bedeutet für mich immer noch eine alternative Möglichkeit, einen Neustart zu erzwingen, an Ultrabay und co will ich lieber gar nicht erst denken und auch hier mußte ich erst mal wieder fummeln, damit mir der Savage-Treiber ein brauchbares Bild anzeigt (dieser DRI Bug tritt nur bei manchen Savage Chips auf, ich habe so ein Prachtexemplar). Beim Auswerfen einer Compact-Flash Karte aus dem PCMCIA-Schacht hängt sich die ganze Kiste sofort auf.
Wir schreiben das Jahr 2009 und ich benutze einen Laptop, der nun 8 Jahre alt ist und der bekannt für seine Linuxtauglichkeit ist. Es ist offenbar immer noch nicht möglich, daß man das Linux einfach installiert und es sofort läuft, mit allen Annehmlichkeiten und Vorteilen, die ein Laptop so bietet. Ich weiß, für Suspend-To-Disk könnte ich mir nun ein Skript schreiben, daß die Sound-, USB- und WLAN-Treiber entlädt (vorausgesetzt sie werden nicht benutzt), dann den S4 aktiviert und nach dem Aufwachen die ganzen Module wieder einbindet. Aber muß das sein...?
Auf einer anderen Partition des Laptops verweilt Windows XP. Dieses habe ich vor Jahren einmal installiert, dann das IBM Treiber-Pack draufgepackt, fertig. Es funktioniert hier alles: Suspend-To-Disk, Sleep Modus beim Schließen des Deckels und sogar der S-Video Ausgang in Verbindung mit dem MPlayer.
Ich bin nun wirklich kein Freund von Windows, aber es ist doch ziemlich nervig, daß man besonders bei Linux auf Laptops immer noch mehrere Stunden Arbeit investieren muß, damit alles fehlerfrei und rund läuft während Winzigweich zeigt, daß das alles auch ohne den ganzen Aufwand geht. Und wenn ich dann noch zu der Firma mit dem angebissenen Obst gucke, dann sehe ich, wie so etwas schnell, einfach und absolut problemlos klappt. In solchen Momenten kommen mir echt Zweifel, ob ich weiterhin noch an Linux festhalten soll...

1. Ein dist-upgrade über 5 Versionen hinweg muss einfach schief gehen. Um bei Deiner Analogie zu Windows zu bleiben würde ein Update von Windows 3.1 auf Vista wohl auch nicht klappen ;-). Du hättest wohl in den sauren Apfel beißen müssen und jedes DIst-Upgrade einzeln durchführen müssen, um sicher zu gehen, dass alles klappt. Dazu kommt, dass es das Tool do-release-upgrade gibt, welches u.a. auftretende Abhängigkeitskonflikte in der neuen Version löst.
2. Installation von Arch-Linux und dann erwarten, dass einfach alles klappt. Wer Arch installiert *darf* einfach nicht meckern ;-)
Mein Erfahrun mit Ubuntu ist, dass sich gerade in den letzten Versionen sehr viel im Bereich power-management getan hat und das System mit jeder Version stabiler lief.
Schöne Grüße :-)
Davon ab, ich schrieb "einige Male aptitude dist-upgrade". Mit einige Male meinte ich schon, daß ich die Zwischenschritte gefahren bin. Ganz so verrückt bin ich ja nun nicht, obwohl ich eigentlich der Meinung bin, daß bei einem vernünftigen Packetmanagement der Umweg über die Zwischenschritte nicht nötig ist.
zu 2: Ich habe im Vergleich zu Ubuntu viel Arbeit in die Systemkonfiguration gesteckt. Nach Gentoo und LFS bin ich das ja auch gewohnt und habe damit keine großen Probleme. Ich sagte ja auch, daß die Maschine so, wie sie jetzt aufgesetzt ist, für mich sehr zufriedenstellen läuft. Beim S4 sehe ich die Probleme aber nicht so sehr bei meiner Konfiguration, denn Kernel OOPSe, Laptop schaltet sich nach dem Sichern seines RAM-Inhalts auf Platte nicht ab, usw. liegen nicht in meinem Einflußbereich. Und gerade wegen des Powermanagements wollte ich Intrepid ausprobieren, war aber ein Satz mit X.
Nehmen wir mal das folgende Beispiel: Laptop läuft mit beliebigem Desktop, darauf ein FireFox mit zig offenen Tabs, einer zeigt YouTube. Davor OpenOffice mit einer Datei vom USB-Stick und ein XMMS mit meiner Lieblingsmusik.
Windows XP: Ich drücke Fn+F12, Laptop geht in den Hibernate. Ich lasse ihn wieder aufwachen, die Musik spielt dort weiter, wo ich aufgehört habe, die WLAN Karte verbindet sich neu mit meinem AP und bezieht wieder per DHCP ihre Adresse. FireFox und OpenOffice merken noch nicht einmal, daß der Laptop zwischenzeitlich heruntergefahren war.
Ubuntu Dapper: Ich muß per Skript USB-Treiber, WLAN-Treiber und Sound-Treiber entladen. Sound-Treiber läßt sich nur entladen, wenn XMMS und das Flash-Plugin beendet wird, also muß ein Tab im Browser geschlossen werden. Das WLAN muß heruntergefahren werden, damit ich den WLAN-Treiber entladen kann. Dann muß noch das USB-Modul raus, klappt aber nur, wenn ich auch vorher den USB-Stick ausgehängt habe. So, jetzt S4, klappt sogar.
Laptop soll wieder aufwachen: das Laden der Hibernate-Daten dauert verhältnismäßig lange. Dann habe ich eine Desktop-Oberfläche, die Maus geht aber nicht mehr (klar, USB-Treiber sind raus). USB-Treiber werden von meinem Skript geladen, Maus geht wieder, aber dafür ist der USB-Stick jetzt nicht mehr /dev/sdb sondern /dev/sda. WLAN verbindet sich wieder ordnungsgemäß. Soundtreiber werden auch geladen, ALSA neu gestartet, dennoch sind jetzt die Lautstärkeeinstellungen verloren. XMMS muß auch neu gestartet werden und OpenOffice beschwert sich, daß die geöffnete Datei auf einmal nicht mehr auf dem Datenträger gefunden werden kann.
Vielleicht werde ich auch einfach alt. In meinem Job bin ich Admin über ca. 200 Linux-Server, da habe ich schon genug zu tun und vielleicht auch deswegen keine Lust mehr, mehrere Stunden Arbeit in die Konfiguration meiner privaten Systeme zu stecken...
Um das Geraet zu testen hatte ich erstmal ein Ubuntu drauf. 8.04 war das glaube ich, die war greifbar. Und ich habe mich wirklich gewundert dass alles auf Anhieb funktioniert hat. Naja: TV-Ausgang und Bluetooth habe ich nicht getestet (fuer letzteres gab es aber immerhin schon ein Icon auf dem Desktop, und sowohl Fingerabdruckleser als auch Beschleunigungssensor sind irrelevant. Haben aber nach Installation des erforderlichen Pakets bzw. Laden des Treibers auch auf Anhieb mitgespielt. Suspend, Hibernate und 3D-Beschleunigung (letzteres sowohl mit dem freien als auch mit dem proprietaeren Treiber) gingen auf Anhieb.
Kann also auch klappen. :-)
Und: Dein acht Jahre altes Notebook mit einem aktuellen MBP zu vergleichen ist unfair, oder? Wie gut laeuft denn ein aktuelles OS-X auf einem achtjaehrigen Apfel? ;-) (Ja, mir ist klar dass auch diese Frage unfair ist.)
Ich erwarte bei Arch auch nicht, daß alles auf Anhieb funktioniert. Es geht mehr darum, daß ich bislang keine einzige Distro in der Hand hatte, bei der mein T21 auf Anhieb das gemacht hat, was es unter Windows XP wie ganz selbstverständlich kann. Bei Arch bin ich aber dafür zufrieden, daß nicht endlos viele Dienste geladen werden (wofür brauche ich HPLIP oder Avahi?) und der Laptop mit OpenBox richtig schon schnell läuft.
Vergleich T21 vs. MBP hinkt nur teilweise. Wenn ich ein niegelnagelneues ThinkPad (z.B. T400) hätte, würde ich durchaus erwarten, daß nur wenige Dinge ohne Mitarbeit funktionieren und viele Treiber entweder nicht vorhanden oder im frühen EXPERIMENTAL Stadium sind. Bei einem ThinkPad von 2001 mit wohlbekannten Hardwarekomponenten allerdings erwarte ich, daß alles so funktioniert, wie es soll. Bei Linux ist es im Allgemeinen doch so, daß die Hardwareunterstützung für ältere Geräte wesentlich besser ist, als für die neuesten Dinge.
Für alles weitere siehe meine Antwort an den Kommentar von Patrick.
Ich bin auch weiterhin der Meinung, daß etliche Dinge unter Linux wesentlich einfacher und eleganter gehen, als unter Windows.
Ich sehe es nur problematisch, wenn $BEKANNTER fragt "Geht das eigentlich auch unter Linux" ich dann nur antworten kann "Prinzipiell schon, Du mußt aber erst das, dies und jenes konfigurieren..."
probier doch mal statt ArchLinux Sidux aus, das basiert auf Deian SID. Ich habe seit 2 1/2 Jahren kein Problem damit. Sehr einfache Installation, WLAN und Suspend2RAM machen keine Probleme.
Sidux bietet aktuelleste Kernel (z.Zt. aktuell 2.6.28) mit der neuesten HW-Unterstützung. Lade dir die KDE-Light-CD in der 32-Bit Version herunter und teste die LiveCD mal. Bei deiner RAM-Ausstattung würde dir allerdings empfehlen die XFCE-Variante zu nehmen, da KDE bei 384MB schon arg ins Schwitzen kommt.
Hier ein paar Links:
Einsteigerseite zu Sidux: http://www.sidux.com/index.php?module=pnWikka&tag=Einsteigerseite
Dt. Handbuch zu Sidux: http://manual.sidux.com/de/welcome-de.htm
Download von Sidux:http://sidux.com/Article303.html