Hiho Jungs.
In meiner proletarischen Seele brodelt es. Ihr wisst ja wie (gut) es das Schicksal auch mit mir gemeint hat... hab ich bisher gemeint.
Jetzt suche ich nicht nur eine neue Wohnung, sondern fern ab vom schnellen Geld und den anderen Annehmlichkeiten eines Heuschreckenschwarms aus USA auch eine Motivation das Fähnlein reinen Gewissens für die, die ich beim Kunden repräsentiere, hochzuhalten.
Ein ergreifend naher Blick in die Weidegründe der Heuschrecken, deren Weisungen ich unterliege, zeigt
dieser Artikel (taz).
Seid ermutigt, eure Meinung hier beizutragen.

aber mal abgesehen von den Motivationslügen des Herrn Naglers ist das doch nicht so verwerflich wie es erst hingestellt wird. Natürlich ist es für die Arbeitnehmer schlimm, aber man kann IBM, nachdem Sie den Leuten einen so hohen Lebensstandard ermöglicht haben, doch nicht dazu verpflichten, diesen Lebensstandard auf ewig zu garantieren.
Dass abwandern so Gewinnträchtig ist, ist von niemandem bösartig so eingerichtet worden. Und das man sich nach Gewinn richtet hat ja nun den Aufstieg der IBM und die Einstellung der Leute erst möglich gemacht (IBM's Produktpalette dient nur der Gewinnmaximierung der Kunden). Das sind also nur zwei Seiten derselben Medaille.
Also müsste man IMHO daran ansetzen, dass abwandern so Gewinnträchtig ist.
Jemand einen Vorschlag?
natürlich kann man keinen Arbeitgeber dazu verpflichten. Aber dennoch hat doch der Arbeitgeber auch eine gewisse Verantwortung gegenüber seinen Arbeitnehmern. Vielleicht sollte man sich nicht so dem Dikat des Shareholder Values unterwerfen... (ja das ist illusorisch, aber es ist genau so illusorisch, wie das abwandern verhindern zu wollen).
Soziale Marktwirtschaft heißt aber eben auch, Kompromißbereitschaft (Verzicht auf Lohnsteigerungen für eine Standortgarantie). So ist die eigentliche Tragödie die Machtlosigkeit der Arbeitnehmer sich erfolgreich zur Wehr zu setzen. Es scheint als fällt die Wirtschaft im Zuge der Globalisierung zurück in alte "Adam-Smith" Traditionen.
Als Lösung sehe ich eigentlich nur den pragmatischen Ansatz der Identifizierung mit der Globalisierung, sprich:
Abwandern in andere Regionen schafft dort ja dann Arbeit und damit im Idealfall Wohlstand.
Oder halt die sarkastische Maxime:
Wenn man lang genug ostwärts zieht, erreicht man wieder den Ausgangspunkt.
Christian
Ich will keine Kritik üben an IBM oder den strategischen Entscheidungen. Auch will ich nicht wirklich eine klassische "Kapitalismus-Kritik" ablassen, auch wenn ihr sicher an der Überschrift und Andeutungen gemerkt habt, dass es mich reizt.
Ich wollte eine Diskussion (oder zumindest eine Sammlung von Meinungen) provozieren, um rauszubekommen, wie ihr dazu eigentlich steht.
Um der Diskussion weiteres Futter zu geben:
Habt ihr letztens den Artikel im Stern gelesen? (Wir sind alle Heuschrecken oder so...)
Da stellen sich Ackermann und Co als die Retter von Deutschland hin, weil sie ja die Unternehmen wettbewerbsfähig halten. Sie würden sich ja Entscheidungen wie Arbeitsplatzabbau auch nicht einfach machen und mit den Leuten mitfühlen, die sie auf die Straße setzen. Dieser sehr überheblichen Meinung, die scheinbar die wirtschaftliche Management-Elite komplett auszeichnet,
setze ich 3 Thesen entgegen:
1. Unsoziales und IMHO unmoralisches Verhalten mit Leistungen der Vergangenheit zu rechtfertigen, für die man ebensowenig wirklich ursächlich verantwortlich ist wie für die aktuellen, ist scheinheilig. ("Du hast ja wieder nicht abgewaschen." - "ICH hab dir das Geschirr erst gekauft, vergiss das nicht! Ich muss nicht abwaschen!")
2. Dass Herr Ackermann mit 12Mio. im Jahr +x sich gut in Harz4 empfangende Akademiker und Mitt-50er hineinversetzen kann, bezweifle ich doch stark... Aber er hats ja auch sooooo schwer in seinem Job... dem Gehalt nach 400x schwerer als ich!
3. Der Wirtschaft darf nicht noch mehr (politische) Macht in die Hände gegeben werden als sie jetzt schon hat! Denn die freie Marktwirtschaft kennt per se keinen Moralbegriff. Das will ich auch nicht anprangern. Aber Herrschaft muss immer mit Moral im Kontext stehen, denn durch Moral erst definieren sich Dinge wie Gerechtigkeit und gesamt-gesellschaftliches Denken.
Ich weiss auch dass es keine realistische Alternative gibt. Doch es gibt ein paar illusorische und gefährliche. Und wenn es uns erstmal schlecht genug geht, fürchte ich dass diese "Alternativen" wieder für viele Menschen attraktiv wirken.
Auch der Kapitalismus, der ja in seiner aktuellen "globalisierten" Ausprägung per se auf Dauer alle gleich zu machen scheint ("weil die Chinesen ja jetzt reicher werden") ist keine realistische Alternative. Schaffen wir keine bedeutend höhere Wertschöpfungs-Rate (im Verhältnis zur Wert-Vernichtung bei der Börse sowie durch Vergeudung von Rohstoffen), werden die 3 Milliarden Asiaten nur sehr wenig mehr Wohlstand genießen können, wohingegen wir sehr viel Wohlstand einbüßen müssen, denn die gehandelten Werte reichen bei weitem nicht um einen "westlichen" Wohlstand für uns UND den asiatischen Raum durchzubringen.
Naja, wer das jetzt bis zum Schluß gelesen hat, respekt!
Just my 0.02$
Konkurrierende Meinungen bitte nicht nur haben, auch schreiben. Bitte stimmt mich um, die Inhalte meiner Einstellung deprimieren mich!
erstmal eine kleine Geschichte, danach der Bezug zu Deinem Posting.
Wie man Monopolyspielern sozialverhalten beibringt
wenn ich möchte, dass sich jemand bei Monopoly sozial verhält, muss ich die
Regeln ändern. Denn wenn ich es nicht tue wird es sich automatisch einstellen,
dass die unsozialen Spieler erfolgreicher sind als die sozialen Spieler, denn
die Regeln sind amoralisch und asozial (lassen diese Aspekte ausser acht). Wie
sich die Leute verhalten liegt an ihnen selbst, aber ob sie damit Erfolg haben
liegt an den Regeln. Und wenn die Leute mit unsozialem Verhalten erfolgreicher
sind, werden sich die sozialen Leute beschweren, weil Sie in ihrem
Gerechtigkeitsgefühl gestört sind.
Jetzt könnte man sagen jeder steuert sein Spielverhalten völlig eigenständig,
allerdings würde ich eher behaupten, dass man von den Regeln erzogen wird.
Erfolgserlebnisse will man wiederholen, misserfolge meiden. Und somit erschafft
sich ein Regelwerk von selbst Leute, die darauf optimiert handeln. Diese
erzieherische Kraft sollte man nicht unterschätzen.
Warum werden dadurch nicht alle gleichmäßig erfolgreiche Monopolyspieler? Weil
manchen andere Werte wichtiger sind als der Erfolg beim Spiel, z.B. dem
Familienvater, der sich absichtlich etwas schlechter stellt, damit die
Sprösslinge mehr Spaß am Spiel haben. Oder derjenige, der aus Solidarität ein
nachteiliges Geschäft mit seinem besten Kumpel macht.
Wenn das viele machen, aber einige nicht, dann werden die vielen sagen: "So wie
wir spielen macht's mehr Spaß" und sich andererseits aber benachteiligt fühlen
weil immer die 'asozialen' Gewinnen. Hier muss man sich also entscheiden:
Entweder man hat den Spaß am sozialsein, oder den Spaß am Gewinnen. Oder beides
in geringerem Maße.
Und wer dann meint, man solle sozial und genauso erfolgreich sein können (oder
Kinder & Karriere haben ;-)) der muss man eben die Regeln ändern. Man muss sich
welche ausdenken, bei denen die, die sich wie gewünscht verhalten automatisch
gefördert werden und die Erfolgreichsten sind. Dann wird sich das Verhalten der
Leute auf die gewünschte Verhaltensweise optimieren. Das ist natürlich
schwierig, hat aber auch schon geklappt: Das in der Natur geltende "Recht des
Stärkeren" ist durch den Rechtsstaat auf Schulhöfe und Kneipenschlägereien
zurückgedrängt worden - zumindest großteils. In Auseinandersetzungen wird vor
Gericht derjenige erfolgreich sein, der Gesetzestreu gehandelt hat.
Warum machen wir das nun nicht einfach? Einer der Gründe ist, dass wir Regeln
nur auf nationaler Ebene durchsetzen können. Wenn wir das tun, sehen wir immer
noch die Monopolyspieler in den anderen Ländern. Und um zu verhindern, dass die
im globalen Monopoly gegen uns gewinnen, müssten wir uns schon stark abkapseln.
Oder wir müssten die Regeln Weltweit ändern. Und wer könnte das schon? Wer wenn
nicht wir (Europäer)?
--------- Zu Deiner These 1:
Wie ich oben angedeutet habe kommt das unsoziale und unmoralische Verhalten aus
dem System heraus und alles beschweren wird sich nicht lohnen. Und es bleibt
die Frage ob moralisches und soziales Verhalten in einem asozialen und
amoralischen System die Gesamtlage verbessert. Hier muss man abwägen (Wer weiss, wenn die
Deutsche Bank aufgrund des niedrigen Aktienkurs gekauft worden wäre, wären evtl
durch Synergieeffekte und Rationalisierungen noch mehr Arbeitsplätze
weggefallen)
--------- Zu Deiner These 3:
Stimme ich voll zu. Wie wir beide aussagen kennt die Wirtschaft keine moral,
während die Regierenden diese durchsetzen sollten. Ich bin auch für eine
strikte Trennung von Politik und Wirtschaft.
Aber: Welche Schlüsse sollten wir aus deinen Aussagen ziehen bezüglich der Frage "Wie sollte es denn jetzt weitergehen?"?
Ich hab auch keine Antwort darauf, da das Monopoly-Spiel und damit die amoralische Seite eben inzwischen global organisiert ist und die moralisch beeinflusste (naja, im Idealfall) Institution an der Landesgrenze ihren Einfluß verliert.
Diese Zwickmühle führt, wie gegen Ende eines Monopoly-Spiels, dazu, dass die eine Seite mit radikaler Geschwindigkeit Macht gewinnt und die andere Seite in die Macht- und Bedeutungslosigkeit zu versinken droht.
MfG AndiG
ps. Gehen Sie über los!