30 Tage Kubuntu.
Seit dreißig Tagen habe ich nun Kubuntu auf meinem Notebook und auf meinem Desktop - Zeit genug um sich mit dieser Distrie mal genau auseinander zusetzen. Was hat mich eigentlich dazu bewogen auf dem Desktop mal was anderes als Debian zu verwenden ?
Mein Debian-Testing-System(gemischt mit aktueller Software aus Unstable)zu Hause habe ich nun schon ca. 5.5 Jahre in Betrieb - in dieser Zeit habe ich es fast alle drei Tage mit "Apt" auf den den neuesten Stand gebracht.
(siehe auch
http://www.256bit.org/download/debian-hints) Der größte Pluspunkt für Debian ist für mich die immense Auswahl von Software und das außerordentlich gute Paketmanagementsystem (In beiden Aspekten liegen meiner Meinung nach immer noch die größten Schwächen vieler Linuxdistributionen).
Aber Debian hat auch deutliche Schwächen welche mir in den letzten Monaten immer deutlicher auf den Nerv gingen. Am schwersten wiegt für mich auf dem Desktop die sehr schleppende Integration aktueller und stabiler Software(besonders bei so Monstern wie KDE) in die Distribution.
Gerade wenn man sich für aktuelle und sehr leistungsfähige Desktop-Environments interessiert, sieht man mit Debian echt alt aus. Klar kann man z.B. ein aktuelles KDE von irgendwelchen esoterischen Paketquellen ins System reinnageln, nur verliert man dann den Vorzug eines stabilen und gut zu wartenden Systems.
Das hat mich an Kubuntu gereizt - ziemlich aktuelle Software (KDE, Gnome, OpenOffice,...), garantierte halbjährige Releases und ein System das versucht echte Benutzerfreundlichkeit zu realisieren.
Zurückblickend kann sagen, dass sich der Versuch echt gelohnt hat.
Die Installation von Kubuntu 5.10 gestaltete sich wirklich ziemlich einfach. Nach dem der etwas diffizil zu bedienende LVM-Konfigurator erfolgreich gemeistert war, dauerte es bei beiden Systemen kaum zwei Stunden bis ich wieder vollständig operativ war. Z.B. auf meinem Thinkpad T40 wurde ACPI (Suspent to RAM), X.org, Sound, LAN, WLAN und Grafik auf Anhieb sauber eingerichtet, so dass ich lediglich noch etwas Software aus dem Ubuntu-Breezy und Ubuntu-Universe Repository nachinstallieren musste.
Im vergangenen Monat habe ich dann einiges an Software ausprobiert und bin bisher noch auf kein Paket gestoßen, für welches kein Pedant zu Debian-Repository gegegben hätte.
Die verfügbare Software funktionierte abgesehen von ein paar Kleinigkeiten ziemlich gut.
(z.B. gibt es einen kleinen UTF8-Bug in der KDE-Konsole, der leider bis dato nicht wirklich gefixt ist). Die mitgelieferten Frontends waren teilweise auch noch recht Buggy (Probleme bei der Konfigurationen von WLAN-WEP, die Konfigurationsfenster sind bei einer Auflösung von 1024x768 nicht problemlos bedienbar), wobei man sicherlich in Rechnung stellen muß, dass dies erst die zweite Kubuntu-Release ist.
Sehr angenehm fand ich auch, das die Treiberunterstützung recht gut ist - ich habe in meiner Bude kein Stück Hardware mehr gefunden, das Probleme mit dieser Distribution hat.Was man besonders in Punkto WLAN und GBIT-LAN für Debian, wegen der verkrüppelten Kernel (Stichwort: Firmware), nicht wirklich behaupten kann.
Alles in allem habe ich diese Distribution angefasst wie ein "Debian" und dabei keinerlei Probleme erfahren. Was mir wirklich gut gefällt - einerseits ist Kubuntu sehr freundlich zu Usern die Ihr Linux einfach nur benutzen wollen, andererseits kann man auch das System sehr gut anpassen und optimieren ohne an konzeptionelle Grenzen zu stoßen(wie es z.B. bei Novell/Suse der Fall ist).
Ubuntu scheint sich immer mehr zu einer multifunktionalen Distribution zu wandeln - mittlerweile kann man Ubuntu sogar auch als Servervariante installieren. Vor kurzem hat sogar die Firma IBM Ubuntu zur zertifizierten Plattform für ihre DB2-Datenbank erklärt (siehe:
http://www.ubuntulinux.org/newsitems/db2cert).
Mein Fazit: Bei Kubuntu gibt es zwar noch ein bisschen was zu tun, aber unter dem Strich finde ist diese Distrubution so genial, dass ich meine alten Debian-Installs mit Ausnahme unseres Rootservers demnächst plätten werde.